Die Anfänge

Am 22.06.1933 kamen 33 wassersportlich interessierte Norder in einer Gaststätte zusammen um einen Verein zu gründen. Es wurde die Geburtsstunde des Wassersportvereins Norden. Warum Wassersportverein und nicht Kanuverein? In den Gründerjahren beheimatete der Verein sowohl Kanuten als auch Segler. Heute ist der WSV jedoch ein ein reiner Kanuverein. Zum Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins wurde der damalige Bürgermeister der Stadt Norden berufen. Die somit guten Beziehungen zur Stadtverwaltung machten es möglich, dass bereits im September 1933 die ehemalige Hafenmeisterei als Bootshaus zur Verfügung stand. Diese Unterkunft behielt der Verein bis in die 60er Jahre. Am 01.04.1934 wurde der Wassersportverein in den damaligen "Deutschen Kanuverband" aufgenommen. 1935 musste ein Holzschuppen zur Aufnahme weiterer Boote erstellt werden. Bereits in den Gründerjahren waren die Kanuten sehr aktiv. Es wurden Regatten veranstaltet, Korso- und Lampionfahren fanden statt und natürlich gab es jede Menge Gemeinschaftsfahrten

Die dunklen Jahre

Die Zeiten des "Dritten Reiches" gingen natürlich auch am Wassersportverein in Norden nicht spurlos vorüber. So musste 1935 ein neuer Vereinsstander beschafft und ab 1939 durfte nur noch mit Stander am Boot gepaddelt werden. Es gab einen Propagandawart im Verein und das Mitfahren von Nichtmitgliedern war nur nach vorheriger Anmeldung gestattet. 1938 wurden auf Regatten in Bremen und Hannover große Erfolge erzielt. Im gleichen Jahr trennten sich die Segler von den Kanuten.
Nach Kriegsausbruch wurden die Aktivitäten im WSV naturgemäß geringer und das letzte Protokoll einer Sitzung datiert vom 22.02.1942. Bei Kriegsende erfolgte die Auflösung des Vereins durch die Militärregierung.

Der Wiederaufbau

Doch schon bald regte sich bei einigen ehemaligen Mitgliedern der alte Wassersportgeist. Am 15.12.1945 lädt der Sportkamerad Heinrich Kröger zur Gründerversammlung ein. Die alten Anlagen durften mit Genehmigung der Stadt Norden weiter genutzt werden und die Mitgliederzahl nahm stetig zu.
1946 kam die entscheidende Wende. Von der Stadt Norden erhielt der Wassersportverein unentgeltlich ein Stück Brachland - unser heutiges Gelände - das damals noch teilweise unter Wasser stand. Kurz darauf stellte die Militärregierung eine 40 x 8 m große Baracke zur Verfügung. Damit begann für die Norder Wasssersportler eine arbeitsreiche Zeit. Die Baracke musste abgebrochen und wieder aufgebaut werden. In den damaligen Hungerjahren ein hartes und bewundernswertes Stück Arbeit. Dazu kam, dass das Material Tag und Nacht bewacht und für jeden Nagel und jeden Sack Zement ein Antrag gestellt werden musste.
Aber bereits Ende 1946 war der zweistöckige Barackenbau im Rohbau fertig. Die Arbeiten bis zur endgültigen Fertigstellung zogen sich dann noch fast zwei Jahre hin, doch mit dem Vereinsleben ging es wieder aufwärts.


Die ersten Wanderfahrerabzeichen wurden errungen und 1951 erfolgte die Gründung der Regattagemeinschaft Oldenburg/Ostfriesland, bestehend aus den Vereinen WKK - Wilhelmshaven, OYC - Oldenburg und dem Wassersportverein Norden. Diese Gemeinschaft errang in den folgenden Jahren eine Vielzahl von Siegen auf allen größeren Regatten. 1957 und 1958 wurden de ersten Versuche mit dem Bau von Kunststoffbooten unternommen und es fand die 1. Pfingstfahrt - als Gemeinschaftsfahrt - statt.
Die Wasserverhältnisse im Norder Tief verschlechterten sich immer mehr, so dass 1959 eine geplante Regatta nicht stattfinden konnte. Aus dieser Notlage wurde die Nordseeregatta geboren, die 1960 zum 1. Mal stattfand und seitdem ohne Unterbrechung - heute im Rahmen der Woche des Kanusports - stattfindet.
1960 begannen dann die Planungen für ein neues Bootshaus, da die Unterhaltungsarbeiten am Holzgebäude immer aufwendiger wurden. Nachdem die ersten Zuschüsse vom Landkreis, der Stadt Norden, vom Landessportbund und der Firma Doornkaat bewilligt waren, begannen die Norder Kanuten 1961 mit dem Bau der 1. Bootslagerhalle. 1963 wurde dann der Verbindungstrakt mit den Sanitäranlagen erstellt und 1965 mit dem Bau des Klubhauses begonnen. Die Einweihung erfolgte am 11.06.1966. 1974 und 1980 mussten die Bottslagerhallen erweitert werden. Alle Bauarbeiten wurden in Eigenleistung der Mitglieder durchgeführt, sonst wären solche umfangreichen Anlagen überhaupt nicht finanzierbar gewesen. Auf diese enorme Leistung können alle, die daran mitgewirkt haben, echt stolz sein.


Die sportlichen Aktivitäten hatten in diesen "Aufbaujahren" natürlich gelitten, aber nachdem inzwischen auch das Norder Tief ausgebaggert worden war, ging es mit dem Sportbetrieb wieder steil bergauf.
1967 entstand dann die Freundschaft mit den Sportkameraden aus Bradford-on-Avon (England), die inzwischen zur Partnersschaft zwischen beiden Städten geführt hat.

Nach mehrmaligen Versuchen den Rennsport zu aktivieren, wurde dieser Zweig inzwischen aufgegeben und das Hauptaugenmerk auf den Wandersport gelegt. Hier liegt der Wassersportverein Norden mit der jährlichen Kilometerleistung meistens an der Spitze im Bezirk Weser-Ems. Eine Vielzahl von Wanderfahrerabzeichen der verschiedenen Stufen werden jede Saison von den Mitgliedern errungen. In den Sommermonaten finden Gemeinschaftsfahrten in wassersportlich reizvolle Gebiete statt (zukünftig sicher vermehrt in die neuen Länder der ehemaligen DDR) und für die Jugendlichen gibt es jedes Jahr eine Wanderfahrt in den Sommerferien. Wir besuchen viele Veranstaltungen befreundeter Vereine und paddeln, wie sollte es auch anders sein, besonders viel und gerne auf der Nordsee. Als Ausgleichssport bietet der WSV seinen Mitgliedern ganzjährig einen Schwimmabend im Hallenwellenbad Norddeich und zusätzlich in den Wintermonaten Gymnastik und Volleyball, Tischtennis, Wanderungen, gesellige Abende und natürlich den ostfriesischen Volkssport: "das Boßeln". Unsere "Tage des Kanusports" - als ICF-Veranstaltung anerkannt - locken immer wieder Hunderte von Kanuten zu uns an die Küste.
Viele Sportkameraden aus dem Binnenland nutzen den Zeltplatz des WSV als Standort für Nordsee-Wanderfahrten unter fachkundiger Führung. Das Wassersportverein Norden ist stolz darauf, der nachfolgenden Generation einen finanziell gesunden und in allen Bereichen intakten Verein zu überlassen